Die Begleithundeprüfung

Wenn Hundchen dem Welpen- und Jungehundealter entwachsen ist und einen guten Grundgehorsam erlangt hat, kann man anfangen, an das erste Ausbildungskennzeichen zu denken:

Die Begleithundeprüfung

Diese Prüfung ist als Voraussetzung für eine Anzahl von weiterführenden Prüfungen wie z.B. FH, IPO, Obedience und andere zwingend erforderlich.

Die Prüfung gibt es in zwei Varianten:

BH / VT mit Sachkunde-Prüfung

BH / VT ohne Sachkunde-Prüfung

Welche dieser beiden Varianten abzulegen ist, richtet sich danach, ob der Nachweis der Sachkunde durch den Hundeführer erbracht werden kann. Die Sachkunde kann u.a. durch VDH-Sachkundenachweis, VDH-Hundeführerschein, Bescheinigung des Amtstierarztes oder eine bereits bestandene Begleithunde-Prüfung (Leistungsheft) belegt werden.

Die Sachkunde kann man hier online üben.

Das Mindestalter für den Hund bei dieser Prüfung beträgt 15 vollendete Monate.

 

Abgesehen vom Sachkunde-Nachweis besteht die Begleithunde-Prüfung aus 3 Teilen:

  1. Die Unbefangenheitsprobe: Diese wird vor dem praktischen Teil durchgeführt. Dazu gehört zwingend eine Identitätskontrolle, bei der Tätowierung oder Chip kontrolliert werden; sonst ist es dem Leistungsrichter überlassen, wie er die Probe durchführt. Sie soll unter normalen Umweltbedingungen und an einem neutralen Ort stattfinden. Die Unbefangenheit wird auch im weiteren Prüfungsverlauf beobachtet. 
    Das Ergebnis der Unbefangenheitsprobe wird unterteilt in: 
    A) Bestanden, 
    B) Weiter zu beobachten, und 
    C) Hunde, die nicht zur Prüfung zugelassen werden können. Für Letztere ist die Prüfung bereits beendet, bevor sie so richtig begonnen hat.
  2. Prüfung auf dem Übungsplatz (60 Punkte): Die einzelnen Übungen hierzu beschreibe ich gesondert weiter unten (inkl. zu erzielender Punktzahl). Hier müssen 70% der Höchstpunktzahl erreicht werden, sonst ist der Hund durchgefallen und muss für den 3. Teil nicht mehr antreten.
    Besonders wichtig: Es sind keine Triebmittel oder Motivationsmittel gestattet - sonst droht die Disqualifikation. Der Hund darf nur nach Beendigung einer Übung gelobt werden. Körperhilfen sind nicht erlaubt und führen zu Punktabzug. Zusätzliche Hörzeichen, Aufmuntern des Hundes, das alles führt zu Punktabzug.
  3. Prüfung im Verkehr: Hier werden keine Punkte vergeben, vielmehr ist der Gesamteindruck des zu beurteilenden Hundes maßgebend.
    Mögliche Übungen hier sind (der genaue Ablauf ist dem Leistungsrichter überlassen): 
    Begegnung mit Personengruppe, Begegnung mit Radfahrern, Begegnung mit Autos, Begegnung mit Joggern oder Inlinescatern, Begegnung mit anderen angeleinten Hunden, Verhalten des kurzfristig im Verkehr allein gelassenen Hundes, Verhalten gegenüber Tieren.
    Die Einzelheiten kann man der VDH-Prüfungsordnung entnehmen. Allgemein kann man jedoch sagen, dass der Hund sich bei allen Übungen neutral verhalten soll. Zusätzliche Hörzeichen sind hier meist erlaubt.

Für weitere Einzelheiten sollte ein Prüfungsteilnehmer UNBEDINGT den FCI-Leitfaden 2012 studieren (Link hier zu finden). Erfahrungsgemäß sind die meisten "Durchfaller" dadurch bedingt, dass die Hundeführer sich der Anforderungen nicht richtig bewusst sind und niemals unter Prüfungsbedingungen geübt haben.

Die Übungen auf dem Platz:

Grundstellung
Grundstellung

Die Grundstellung:

 

Jede Übung beginnt und endet mit der sogenannten Grundstellung.

 

Die Hündin sitzt hier noch leicht schräg. Bei der Prüfung sollte der Hund absolut parallel zum HF sitzen. 

Die Leinenführigkeit (15 Punkte)

 

Hörzeichen für "Fuß gehen"

 

Die Leinenführigkeit (und die anschließende Freifolge) müssen nach einem in der Prüfungsordnung festgelegten Laufschema gezeigt werden.  Dieses Schema findet Ihr auf Seite 24 des Leitfadens für die internationalen Gebrauchshundprüfungen und die internationale Fährtenhundprüfung der FCI (den Link dahin findet Ihr hier).

Der Hund sollte mit seiner Schulter stets dicht auf Höhe des linken Knies des Hundführers bleiben, diesen aufmerksam beachten und muß sich ohne Aufforderung setzen, wenn der Hundeführer stehen bleibt.

 

Dabei müssen festgelegte Schrittfolgen gezeigt werden, u.a. 2 Kehrtwendungen (180 Grad), linke und rechte Winkel und Tempiwechsel von Normal- in Laufschritt und in Langsamschritt (siehe Schema)

 

Es wird großer Wert darauf gelegt, dass der Hund freudig folgt.

 

Rechts: Leinenführigkeit.

Die Leine wird hier zum Üben noch in der rechten Hand gehalten, in der Prüfung muss die Leine links gehalten werden. Der Hund befindet sich an der linken Seite mit Schulter in Kniehöhe der HF und schaut sie aufmerksam an. Die Rute ist freudig nach oben gestellt.

 

 

 

Menschengruppe
Menschengruppe

Die Leinenführigkeit endet mit einem Gang durch eine Menschengruppe. Dabei soll jeweils eine Person links und eine rechts umgangen, danach in der Nähe einer Person  angehalten werden (der Hund muss ohne Zusatzhörzeichen sitzen). Der Hund muss aufmerksam bleiben und soll die Menschen ignorieren.

Der Hund darf erst nach Verlassen der Gruppe und der abschliessenden Grundstellung gelobt werden!

Freifolge
Freifolge

Freifolge (15 Punkte)

 

Hörzeichen für "Fuß gehen"

 

Nun wird die gleiche Abfolge wie bei der Leinenführigkeit nochmals ohne Leine gezeigt, mit dem Unterschied, dass der Hund außerhalb der Menschengruppe abgeleint wird und dann zuerst durch die Gruppe geht. Die anderen Übungsteile werden danach wie bei der Leinenführigkeit gezeigt.

Sitzübung
Sitzübung

Sitzübung (15 Punkte)

 

Hörzeichen für "Fuß gehen", "Absitzen"

 

Der Hundeführer geht aus der Grundstellung heraus mindestens 10-15 Schritte, nimmt die Grundstellung ein, gibt das Hörzeichen zum "Absitzen" und entfernt sich 15 Schritte und dreht sich sofort zu seinem Hund um. Auf Richteranweisung kehrt er zu seinem Hund (rechte Seite, Grundstellung) zurück.

Ablegen in Verbindung mit Herankommen (10 Punkte)

Hörzeichen für "Ablegen", "Herankommen", "Fuß gehen"

 

Der Hundeführer geht aus der Grundstellung heraus mindestens 10-15 Schritte, nimmt die Grundstellung ein, gibt das Hörzeichen zum "Ablegen" und entfernt sich 30 Schritte und dreht sich sofort zu seinem Hund um und bleibt still stehen. Auf Richteranweisung wird der Hund abgerufen. 

 

 

Vorsitzen
Vorsitzen

Der Hund soll schnell und freudig herankommen und dicht vorsitzen. Auf das Hörzeichen für "Fuß gehen" nimmt der Hund die Grundstellung links neben dem Hundeführer ein.

Ablegen des Hundes unter Ablenkung (10 Punkte)

 

HZ für „Fuß gehen“, „Ablegen“, „Aufsitzen“

 

Bei einer Prüfung werden immer 2 Hunde gleichzeitig vorgeführt. Während der erste die oben erwähnten Übungen vorführt, wird der andere abgelegt (Hörzeichen für "Ablegen") und der Hundeführer muss sich 30 Schritte von seinem Hund entfernen (mit Rücken zum Hund - kein Blickkontakt gestattet). Auf Aufforderung des Leistungsrichters geht der Hundeführer später wieder zu seinem Hund an dessen rechte Seite und gibt nach ca. 3 Sekunden das Hörzeichen für "Aufsetzen" und führt anschließend die anderen Übungen aus, während der andere Hund abliegt. Der abliegende Hund muß sich ruhig verhalten und darf nicht aufstehen, bis er von seinem Hundeführer das Hörzeichen dazu erhält.

 

Die Höchstpunktzahl beträgt somit 60 Punkte. Um zu bestehen und am abschliessenden Straßenverkehrsteil teilzunehmen, müssen mindestens 42 Punkte erreicht werden.